Hosenneger


C-Print auf Aludibond | 40 x 50 cm | 2010

„Ein ganz köstliches Original und eine unvergleichliche Mischung von Idiot und ‚Hosennigger‘. NatĂŒrlich lĂ€sst er sich nicht messen; wohl aber erscheint er eines Tages ganz plötzlich einmal vor dem Apparat en grande tenue mit Kottilon und Kegelcluborden behangen und deutet durch eine gnĂ€dig herablassende Geste an, dass er photographiert werden wolle.“

Der Anthropologe Felix von Luschan, schrieb diesen Kommentar1897 ĂŒber Bismarck Bell, einen Probanden, den er im Zuge der Kolonialausstellung vermessen wollte. Das Zitat macht den aus Luschans Sicht empörenden Perspektivwechsel sichtbar: Plötzlich wird das zu vermessende Objekt zum Subjekt und degradiert den vermeintlich objektiven und unsichtbaren Wissenschaftler zum bloßen Dienstleister, der eine Portraitfotografie zu erstellen hat.

Das Foto „Hosenneger“ („Coon“) ist eine Bezugnahme auf die Kolonialgeschichte und die Völkerschauen in Deutschland. Aufgenommen wurde es in der Dresdner Porzellansammlung.

Abbildungen von ‚Hosennegern‘ finden sich aus dieser Zeit insbesondere auf Postkarten. Dabei handelt es sich um das rassistische Stereotyp eines schwarzen Mannes, der sich bĂŒrgerlich-europĂ€isch geben will, darin aber scheitert, weil er entweder ein zentrales KleidungsstĂŒck wie die Hose anzuziehen vergisst oder aber sich ĂŒberzogen elegant kleidet und damit lĂ€cherlich macht. Hier sollte deutlich gemacht werden, dass die Kolonisierten niemals zum europĂ€ischen Kulturkreis dazugehören sollten. Spannend ist in diesem Zusammenhang der gegenseitige Blick der Personen auf einen anderen Kulturkreis: der Blick der Kolonisierten auf die europĂ€ische Kultur und der der Kolonisten auf das ZurĂŒckgespiegelte. Dieser Blick schlĂ€gt sich in anderer Weise nieder im Zusammenhang der AnfĂ€nge des europĂ€ischen Porzellans, als die Meißner Porzellanmanufaktur anfing, Vasen mit asiatischen Motiven zu produzieren (oder was man fĂŒr ein asiatische Motive hielt ...). Auch in der asiatisierten Architektur des Pillnitzer Schlosses schlĂ€gt sich dieser Blick auf eine andere Kultur nieder.